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"So herzlich wurden wir am 21. Maerz 05 bei der Ankunft in Indien zwar nicht em-pfangen, obwohl wir es natuerlich verdient haetten!"


Bollywood ist ueberall praesent!Am 20. Maerz 05 in Cape Town abgeflogen, mit Zwischenhalt in Johannesburg und Dubai, wo sich kaufwuetige Touristen zum Mitternachtsshopping trafen. Am darauffolgenden Tag in der feuchten Mittagshitze in Kochin, Indien, gelandet. Nachdem wir die Warteschlange draengelnder Inder bis zur Passkontrolle hinter uns gebracht hatten, verlief alles problemlos; Gepaeckannahme, Geld wechseln und die Taxifahrt in einem mit Pluesch ausgestatteten Oldtimer in die ruhige Altstadt Kochi's (Fort Kochi). Zwar fuhr der Driver vorwiegend auf der Gegenfahrbahn, wobei er und die Entgegenkommenden mit lautstarkem, fast kontinuierlichem Hupkonzert - mindestens alle 5 Sekunden - auf sich aufmerksam machten.

Chinesische Fischernetze am Beach von KochiNach der wohlverdienten Siesta bummelten wir durch die Gassen, in denen noch viel vom Geiste jener Zeit zu spuehren ist, in denen noch Portugiesen, Hollaender und Englaender das Sagen hatten. Nassgeschwitzt durch die Hitze und enormen Feuchtigkeit beobachteten wir von einem Strandkaffee aus, wie mit chinesischen Fischernetzen ein kleiner Fang aus dem stinkenden, dreckigen Meer rausgezogen wurde. Die aus dem 13. Jahrhundert stammenden Konstruktionen waeren eigentlich sehr effizient. Seit der Tsunami-Katastrophe sei der Fischertrag jedoch drastisch zurueck gegangen, wurde uns mitgeteilt.
Die darauf folgenden Tagen benoetigten wir zur Akklimatisierung, inkl. des Kennenlernens der fuer uns unangenehmeren Gebraeuche und Sitten: Wie zum Beispiel oeffentliches auf den Gehsteig "Kacken", alle Ecken als Pissoir zu benutzen (auch Frauen...) und das zu jeder Gelegenheit lautstarke Spucken (in alle Richtungen!). Waehrend wir diese Sitten (noch) nicht uebernommen haben, wurden wir vom ersten Moment an gezwungen, mit den Haenden zu essen (natuerlich nur mit der sauberen rechten Hand!). Nun in fruehkindliches Essverhalten zurueckversetzt, geniessen wir das exzellente indische Essen.

Der Boesewicht im Kathakali-Spiel!Natuerlich durfte auch der Besuch des sehr bekannten Kathakali-Tanzes (kommt aus dieser Kerala-Region) mit seiner aufwaendigen, mind. 90-minuetigen Schminkprozedur nicht fehlen. Der Kathakali-Tanz gilt als der dramatischste indische Tanz und lebt von seiner ausdrucksstarken Mimik und Gestik und wird ausnahmslos von Maennern getanzt, die zuvor ein 8-10 jaehriges Studium absolvieren mussten.

Mit einer 5-stuendigen Zugsfahrt gings am Karfreitag weiter in den Sueden nach Varkala, einem hinduistischen Pilgerort am Meer. Gleich als wir ankamen, konnten wir einem hinduistischen Tempelfest beiwohnen. Die Daheimgebliebenen muessen sich solch ein Anlass als ein Mix zwischen Streetparade, Fasnacht und andaechtiger Prozession vorstellen. Diese Veranstaltung war ein farbenpraechtiges, beeindruckendes Spektakel sondergleichen.

Hindi-Pilger bei der Seelen- und Waeschreinigung!Obwohl Varkala ein hinduistischer Pilgerort ist, wird er von mindestens genauso vielen Touristen heimgesucht, die vornehmlich die diversen Ashrams besuchen und an Yoga- und Ayurvedakursen teilnehmen. Sie gehen zu selbsternannten Gurus, sehnen sich nach Erleuchtung und schwingen bei Sonnenuntergang - meditativ in sich versunken - eine Glaskugel oder Holzknueppel, so dass einem Angst und Bange wird!

Was sich wohl die glaeubigen InderInnen dabei denken, wenn sich crazy WestlerInnen an heiligen Staetten so auffuehren???

godness of the lightNach 4 Tagen gesaettigt vom indischen Esotherik-Kurort gings unerleuchtet weiter mit dem Schiff von Kovalam nach Allepey. Wir tuckerten dabei durch die Backwaters, einem weitverzweigten Netz von Lagunen, Seen und flachem Schwemmland. Relaext auf dem Oberdeck des Schiffes konnten wir waehrend der 8-stuendigen Fahrt dem regen Treiben der Fischer, den spielenden Kindern am Ufer und den Frauen beim Spinnen von Seilen aus Kokosfasern, zuschauen. Waehrend Joder von der Goettin des Lichts angetan war, war Gabi von den zigtausenden von Quallen fasziniert.

Naturfarbe wunderschoen fuers Foto hergerichtet.Weiter gings mit einer 12-stuendigen, steissbeinmaltraetierenden Busfahrt nach Mysore. Die Highlights bei unserem 5-taegigen Besuch dieser Stadt waren sicher der farbenpraechtige Markt, mit den Pyramiden aus Farbpulver, den Gassen mit duftenden Bergen aus echten!!! Blumengirlanden und den Staenden mit diversen Duftessenzen, so dass wir nach Verlassen des Marktes wie ein zehnstoeckiges Freudenhaus dufteten! ...und nicht zu vergessen, der zur Realitaet gewordene Traum eines Maharaja-Palastes aus 1001 Nacht, welcher jeweils

Soo kitschig gehts nur in Indien!Sonntag abends mit ueber 5000 Gluehbirnen beleuchtet wird. Abertausende wohnten dem Spektakel bei, bewunderten das Lichtschauspiel und lauschten dem hoechst mittelmaessigen Gedudel des Blasmusikorchesters.

Am 4.4.05 fuhren wir mit dem Bus nach Bangalore, der Computer-Hochburg Indiens, wo wir uns mit Riksha-Fahrern, schmuddligen Hotels, klimatisierten Restaurants und dem wieder einmal stundenlangem Bearbeiten unserer Homepage rumschlugen. Nachdem wir uns Tickets nach Hampi aus dem 23. Stockwerk - des hoechsten Gebaeudes von Bangalore - ergattert hatten, fluechteten wir aus dieser, nach Abgase stinkenden und durch das staendige Hupen laute Millionenstadt. Bevor wir in den Nachtzug nach Hospet/Hampi einsteigen konnten, mussten wir uns durch eine Masse von Menschen kaempfen, die die Bahnhofshalle als Schlafsstaette oder Wohnzimmer benutzten, einfach nur wartend auf dem Boden sassen oder ihr Nachtessen im weiteren Familienkreis einnahmen. Das Gepaeck angekettet (wie es die InderInnen machen), den Seidenschlafsack bis ueber beide Ohren gezogen und durch das gleichmaessige Ruetteln sanft in den Schlaf gewogen. Nachdem auch der letzte Schnarcher verstummt war und alle Babies gesaettigt und zufrieden waren, verbrachten wir eine erstaunlich ruhige Fahrt Richtung Norden.

Am fruehen Morgen kamen wir in Hampi an. Uns begruesste ein huebsches, kleines Dorf, wunderschoen an einem Fluss gelegen, eingebettet in ein felsiges Landschaftsbild und inmitten von alten ruinenaehnlichen Tempelanlagen. Einfach schoen! Nach laengerer Suche in moerderischer Hitze fanden wir eine - unseren Wuenschen gerechte - Unterkunft, die auf der ruhigeren Flussseite lag. Eine Uebernachtung im Bungalow mit eigenem Bad kostete (nur so zum Vergleich!) soviel wie ein "wertvolles" Bier oder ein ausgiebiges Nachtessen (d.h. ca. Fr. 2.50). Die vom Zerfall bedrohten UNESCO-Kulturerbebauten waren sehr eindruecklich. Mehr jedoch interessierten uns die im Inneren der Tempel stattfindenden Opferrituale bei jeweils einem der 330'000 Goetter der Hindus. Einmal mehr waren wir von der aufgeschlossenen, freundlichen  und herzlichen Art der Inderinnen beindruckt (man bekommt oft den Eindruck, dass sie etwas intelligenter sind als ihre maennlichen Artgenossen!), als uns eine Gruppe  Maedchen aufforderte, zu ihrem Opferritual mitzukommen.  Trotzdem erhielten wir keinen Durchblick, wann welches Ritual durchgefuehrt wurde und vor allem weshalb. Bananen und Kokosnuesse wurden den Goettern zu Fuessen gelegt, da sie jedoch so koestlich sind, wurden sie nach Beendigung des Rituals gleich selber verzehrt (Recycling in einer unfassbaren Wegwerfgesellschaft). Die Goetter und die opfernden Personen  wurden mit Farbtupfern und Blumengirlanden geschmueckt und Raeucherstaebchen verbreiteten einen angenehmen Duft. Ein sehr froehliches, jedoch wenig andaechtiges Ritual. Natuerlich erhielten auch wir einen roten Punkt zwischen die Augen aufgemalt. Unglaublich, aber so unschuldig hatten wir zuvor noch nie ausgesehen!

Hampi und sein Fluss...wo sich alles abspielt.Am fruehen Morgen kamen wir in Hampi an. Uns begruesste ein huebsches, kleines Dorf, wunderschoen an einem Fluss gelegen, eingebettet in ein felsiges Landschaftsbild und inmitten von alten ruinenaehnlichen Tempelanlagen. Einfach schoen! Nach laengerer Suche in moerderischer Hitze fanden wir eine - unseren Wuenschen gerechte - Unterkunft, die auf der ruhigeren Flussseite lag. Eine
Uebernachtung im Bungalow mit eigenem Bad kostete (nur so zum Vergleich!) soviel wie ein "wertvolles" Bier oder ein ausgiebiges Nachtessen (d.h. ca. Fr. 2.50). Die vom Zerfall bedrohten UNESCO-Kulturerbebauten waren sehr eindruecklich. Mehr jedoch interessierten uns die im Inneren der Tempel stattfindenden Opferrituale bei jeweils einem der 330'000 Goetter der Hindus. Einmal mehr waren wir von der aufgeschlossenen, freundlichen  und herzlichen Art der Inderinnen beindruckt (man bekommt oft den Eindruck, dass sie etwas intelligenter sind
als ihre maennlichen Artgenossen!), als uns eine Gruppe  Maedchen aufforderte, zu ihrem Opferritual mit zu kommen. 
Trotzdem erhielten wir keinen Durchblick, wann welches Ritual durchgefuehrt wurde und vor allem weshalb. Bananen und Kokosnuesse wurden den Goettern zu Fuessen gelegt, da sie jedoch so koestlich sind, wurden sie nach Beendigung des Rituals gleich selber verzehrt (Recycling in einer unfassbaren Wegwerfgesellschaft). Die Goetter und die
Pilger im Klangtempel. Es war saumaessig heiss!opfernden Personen  wurden mit Farbtupfern und Blumengirlanden geschmueckt und Raeucherstaebchen verbreiteten einen angenehmen Duft. Ein sehr froehliches, jedoch wenig andaechtiges Ritual. Natuerlich erhielten auch wir einen roten Punkt zwischen die Augen aufgemalt. Unglaublich, aber so unschuldig hatten wir zuvor noch nie ausgesehen!So wie wir das ganze Geschehen bestaunten und beobachteten, so wurden auch wir von den hinduistischen Pilgertouristen aufs Derbste begafft. Wir
Trotz Farbtupf noch nicht ganz relaxed!bekamen fast den Eindruck, dass fuer sie nicht die Tempel mit ihren Goettern die Hauptattraktion waren, sondern die westlichen Touris. Immer versuchten sie einem zu fotografieren: Gruppenfotos oder kecke Schnappschuesse knippsen oder gar eine Adresse ergattern; obwohl eine Kommunikation wegen sprachlicher Hindernisse kaum moeglich war, erfuhren wir schnell, was sie von uns wollten. Diese ansonsten sehr friedliche Stimmung von Hampi genossen wir 5 Tage. Nebst den Besuchen der Tempelanlagen, der vielen Cafes und Restaurants, verbrachten wir viel Zeit beim Fluss, welcher fuer ein ein abkuehlendes Bad, die Waesche ausklopfen oder einfach zum taglichen Klatsch- und Tratschaustausch genutzt wurde.

 Auf der 10-stuendigen Zugfahrt nach Margao (Goa) erhielten wir durch die leichtbekleideten, trendigen Touristen einen kleinen Vorgeschmack, was uns an den Beach's in Goa so erwarten wuerde. Da es bei der Ankunft in Margao schon spaet war und wir im Feilschen mit den Rikshafahrern nicht sehr schnell vorankamen, legten wir einen Zwischenstopp in Benaulim ein. Am uebernaechsten Tag gings dann aber zum Palolem

Joder kann sich vom Illuminati-Buch nicht mehr losreissen!Beach, eines unserer Hauptziele in Goa, da es in den Reisefuehrern als der ultimative Suedseetraum (O-Ton, Reise Know How) und touristisch noch wenig erschlossenes Paradies beschrieben wurde. Einmal mehr aergerten wir uns ueber den oben genannten Reisefuehrer (Ausgabe 2004! Gespickt mit vielen Falschinformationen). Was uns erwartete, entsprach wirklich nicht unserem karibischen Traum! Auf schnellen Profit aus, war jeder Quadratmeter am eigentlich sehr schoenen Strand mit eintoenigen, charmlosen Huettchen uebersaeht. Erstaunt waren wir, dass viele Touris genau diese Art von Partymeile suchten. Mann, Frau, interessierte sich nicht fuer die indische Kultur, sondern am anderen Geschlecht und waren auf Aufriss aus. Sie praesentierten - am Strand flanierend - die neue Sommer- und Bademodekollektion 2005! Ganz am Ende dieses Beach's fanden wir zum Glueck aber eine Unterkunft mit relaxter Atmosphaere. Fuer Joder spielte dies nur eine untergeordnete Rolle, da sich sein Leben wieder einmal in einem seiner geliebten Dan Brown-Buechern abspielte und kaum mehr ansprechbar war.

5 Tage verweilten wir in Palolem, bis es weiter nach Panaji ging. Dort angekommen, quartierten wir uns, in einer vom Reisefuehrer empfohlenen Unterkunft, ein. Der Inhaber des Comfort Guesthouses erwies sich aber als touristenfeindliches A..... (Wir wollen ja jugendfrei bleiben!) Da er uns schikanierte, wie wir es noch nie erlebt hatten, und uns direkt ins Gesicht sagte, dass er westliche Touristen sowieso nicht mag, wechselten wir umgehend das Guesthouse und gingen anschliessend auf Stadtbesichtigung. Panaji als Provinzhauptstadt Goas hat mit seinen engen, charmanten Gassen viel von einer suedeuropaeischen Altstadt. Im Gespraech mit den Einheimischen wurde uns schnell auch bewusst, dass sie noch immer sehr stolz auf ihre portugisischen Wurzeln sind.
Ein Muss fuer jeden Goa-Besucher ist Old Goa. Wie wir beim Tagesausflug feststellen konnten, waren die Portugiesen im 16. Jahrhundert ueberaus fanatische und produktive Kirchenbauer. Eigentlich hatten wir mehr erwartet von einer Stadt, die in ihrer Bluetezeit mehr als 300'000 Einwohner hatte und somit zu jener Zeit groesser war als jede europaeische Stadt! Doch leider steht von der Stadt heute nichts mehr. Nur die Kirchen sind geblieben. Die Sightseeingtour durch die Anlage waere wegen der Hitze nicht aushaltbar gewesen, waere es in den Kirchen nicht so angenehm kuehl gewesen, was der Grund war, weshalb wir am Schluss fast jede Kirche (und von denen gibt es dort einige) besucht hatten.

Am 20 April 2005 gings weiter nach Anjuna, der frueheren Hippiehochburg und heutiger Treffpunkt der Technoszene. Unser Interesse galt weder den Hippies noch den Technofreaks, sondern ganz alleine dem woechentlichen Mittwochsmarkt (Rosenhofmarkt x 1000!!!). So gab es fuer Gabi (und auch ein bisschen fuer Joder) kein Halten mehr und es wurde fuer uns und die Liebsten zuhause geshoppt, bis unsere Rucksaecke zum Bersten voll waren und uns bewusst wurde, dass wir heillos uebertrieben hatten und bei nachster Gelegenheit ein grosses Packet nach Hause schicken muessen.

Gabi und die Hunde...ein Kapitel fuer sich!Das letzte Ziel in Goa war der Beach in Arambol. Hier waere alles perfekt gewesen, ausser dass wir uns " von der Komune etwas ausgestossen" fuehlten. Da wir weder Alt- noch Neuhippie sind, weder Dreadlocks noch coole Vollglatze haben, uns weder mit Tatoos noch ausgefallenen Piercings schmuecken, weder Sarong um die Huefte noch ein hier sehr trendiger, Multifunktionsgurt tragen, weder Pauschaltourist noch "Pseudo-"Aussteiger sind; also einfach zwei stinknormale Backpacker! Hier erhielten wir den Eindruck, dass man als gewoehnliche Rucksacktouris zu einer vom Aussterben bedrohten Spezies gehoert. Und trotzdem...! Arambol war bis anhin der schoenste Beach mit der gemuetlichsten Atmosphaere. (Pssst, bitte nicht weitersagen, sonst wird er bald so ueberlaufen sein wie Palolem!

Skyline Mumbai'sVon Arambol gings mit dem Nachtzug nach Mumbai, wo wir am 27.04.05 um 05:00 ankamen. Nach heftigem Feilschen mit den Taxichauffeuren fuhren wir zu ueberteuertem Preis zu unserer ueberteuerten 6-Qudadratmeterunterkunft und versuchten noch etwas zu schlafen, bevor wir uns auf die Strassen der Stadt der Superlativen und der Gegensaetze wagten. Die beinahe 20-Millionenmetropole ist der unbestrittene Wirtschaftsmotor Indiens, was die verarmte Landbevoelkerung seit jeher anzieht und zur Folge hat, dass die Slumgebiete tagtaeglich wachsen. Mumbai hat die groessten Slums Asiens und ueber die Haelfte der Stadtflaeche gilt heute schon als Slumgebiet.

Victoria Railwaystation und der englische DoppelstoeckerDas Stadtzentrum Mumbais wird gepraegt von pompoesen, mittlerweilen jedoch sehr verlotterten, englischen Kolonialbauten, von Abfallbergen und Geruechen der deftigsten Sorte. Auf unserer Entdeckungstour liefen wir uns die Fuesse wund, bis wir rausfanden, wie das Bussystem funktioniert. Danach kamen wir in den Genuss, von uralten, roten Doppelstockbussen rumchauffiert zu werden. Neben diversen Maerkten und Bazaren besuchten wir eine riesige Outdoor-Kleiderwaescherei, in der 5000 Maenner, die sogenannten Dhobis, die Waesche Mumbais wringen, pruegeln und maltraetieren. Auch liessen wir es uns nicht entgehen, einmal eine indische

Dhobis bei ihrer harten Arbeit!Tanzvorfuehrung zu besuchen. Einsamer Hoehepunkt unserer Sightseeingtour war aber die Hauptpost. Dafuer gab es jedoch einen Grund. Um uns unserer sichtbaren Kaufsuchtattacken endlich zu entledigen, kauften wir den groessten Koffer, der dann prallvoll gefuellt wurde. Eine Eigenheit des indischen Postsystems ist, dass man Packete in Leinen einnaehen muss, was wir auch pflichtbewusst machten, bevor wir das riesige Gebaeude betraten. Auf dem vorindustriell wirkenden Postamt stellten wir mit Schrecken fest, dass unser Koffer 600gr. schwerer war, als das vorgeschriebene Maximalgewicht von 20kg. Der Postbeamte der alten Schule liess nicht mit sich reden und so mussten wir den Leinensack aufschnueren, etwas entnehmen und danach unter den neugierigen Blicken der Postmitarbeitern wieder zunaehen. Damit war die ganze Angelegenheit noch nicht beendet. Der neugierige Boss hatte ploetzlich das Beduerfniss, den Inhalt zu ueberpruefen und so musste die ganze Aufschnuer- und Zunaehprozedur nochmals wiederholt werden, bis unser Packet endlich absendbereit war. Als wir den Boss darauf ansprachen, warum er es nicht zuvor bereits mitteilen konnte, als das Packet das zweite Mal bereits offen war, teilte er uns in typisch indischer Logik mit, dass wir ihn halt haetten fragen sollen. So laeuft das in Indien...

Kolkatta lebt!Am 03.05.05 begaben wir uns auf eine lange Reise. Das Ziel der Zugfahrt war das 33 Stunden entfernte Kolkatta (ehem. Kalkutta), der zweitgroessten Stadt Indiens. Die Zeit verging erstaunlich schnell, da immer etwas lief. Fast ununterbrochen wurde Essen und Krimskrams feilgeboten, gebettelt und regelmaessig wurden die Sitzordnungen der Grossfamilie umverteilt. Draussen lief relativ wenig. Jeweils am Morgen wurden wir jedoch Zeugen, dass defintiv ein Mangel an sanitaeren Anlagen herrscht, da hunderte von Maennern auf den Gleisen ihr Morgengeschaeft verrichteten. Auf Kolkatta waren wir sehr gespannt, da diese Stadt - wie

Briefreinschreiberwir den Reisefuehrern entnahmen - den zweifelhaften Ruf fuer sich in Anspruch nehmen kann, die Stadt mit dem weltweit schlechtesten Image zu sein. Guenter Grass schrieb: "Warum nicht ein Gedicht ueber einen Haufen Scheisse schreiben, wie Gott ihn fallen liess und Kolkatta nannte, wie es wimmelt, stinkt, lebt und immer mehr wird."  
Die ehemals mondernste Stadt Indiens ist zum Elendsviertel des Subkontinents verkommen. Zweidrittel der Stadtbevoelkerung gehoert zu den "Privilegierten" und "darf" in den Slumgebieten leben, waehrend 1'000'000 nicht einmal eine Blache ueber den Kopf haben, was zur Folge hat, dass auf den Strassen gelebt wird, wie wir es zuvor noch nie gesehen haben. Auf den Trottoirs - wenn es welche gibt - wird gegessen, geschissen, geschlafen, gespielt und gearbeitet. Privatsphaere ist hier defintiv

Die Howrah-Bruecke in Kolkattaein Fremdwort. Wir konnten unsere Augen zwar nicht verschliessen vor dieser unglaublichen Armut, waren aber ueberrascht, dass die Bewohner trotzdem vor Lebensmut und Herzlichkeit
strotzen und wir verhaeltnis-maessig wenig fuer Bakshish (Spende) angesprochen wurden. Vielmehr wollten die Leute etwas ueber uns erfahren. Obwohl uns die Athmosphaere dieser Stadt sehr gut gefiel und wir fanden, dass diese Stadt trotz aller Missstaende einen besseren Ruf verdient haette, setzte uns die andauernde Reizueber-flutung, das feuchtheisse Klima, die Armut, die atemraubende Luftverschmutzung und die enormen Menschenmassen so zu, dass wir nach 5 Tagen in den Norden Richtung Himalaya weiter reisten.

Die Teapflueckerinnen verlangten fuer dieses Foto Bakshish!Ziel war das auf 2100m.u.M. gelegene Darjeeling. Wir fanden dort eine komplett andere Welt vor und fragten uns teilweise, ob wir uns noch in Indien befinden. Die Landschaft war huegelig, gruen und ueberall gab es die bekannten Darjeeling-Teeplantagen. Sogar die Menschen sahen anders aus. Viele haben einen starken tibetischen oder nepalesischen Einschlag. Auch die Flachlandinder erkannte man kaum. In Kappen und Schals eingepackt, genossen sie ihre Ferien im kuehlen, nebligen Hochland. Natuerlich besuchten wir eine Teeplantage und liessen uns in die Geheimnisse der Teeproduktion einfuehren.

Soo kalt war es um 04:00 Uhr!Das Highlight war jedoch der Ausflug auf den Tiger Hill. Um 03:30 gings mit dem Jeep los, damit wir rechtzeitig zum Sonnenaufgang die Aussicht auf den Kanchenjunga (mit 8'579 Metern der dritthoechste Berg der Welt) und das unvergessliche Himalayapanorama geniessen zu koennen. Mit hunderten, draengelnden Indern hatten wir das Glueck, neben dem Kanchenjunga soger die Spitze des Mt. Everest und des Lhotse zu sehen. Trotz der eisigen Kaelte liefen wir die 11 km nach Darjeeling zurueck. Dabei besuchten wir einige bedeutende buddhistische Kloester und durften in einem sogar einer Gebetszeremonie beiwohnen. Die in meditativer Trance vorgetragenen, melodischen

Die Gebetsmuehlen drehen...Gebetsverse liessen uns fast abheben. Zum Glueck kamen in regelmaessigen Abstaenden Trommelschlaege, die uns auf die Mutter Erde zurueck holten.

Da wir den 8'000ern noch etwas naeher sein wollten, gingen wir nach 5 Tagen weiter nach Sikkim, dem ehemaligen Himalaya-Koenigreich, welches seit 30 Jahren zu Indien gehoert. Wegen seiner sensiblen Lage zwischen Bhutan, Nepal und Tibet konnten wir nur dank einer vorher eingeholten Sondergenehmigung einreisen. Mit dem Jeep gings durch wilde Taeler ins 4h entfernte Gangtok, der Hauptstadt Sikkims. Gangtok ist genauso wie

Darjeeling an einen steilen Hang gebaut, was ein gemuetliches Herumflanieren verunmoeglicht, da es entweder steil rauf oder runter geht. Das malerische Panorama auf die 8'000er blieb jedoch hinter einer dicken Wolkendecke verborgen, so dass wir einen 4-Tagestrip in den aeussersten Norden buchten. Individuelles Reisen im Norden ist unmoeglich, da man eine zusaetzliche Sondergenehmigung benoetigt, die man nur erhaelt,

Gabi und Joder in Wintermontur und Thermounterwaesche im sikkimesischen Lachenwenn man an einer gefuehrten Tour teilnimmt. Wirklich grosse Berge haben wir dann jedoch nicht gesehen, da wir - obwohl wir uns teilweise ueber 4'000 Meter bewegten -nie ueber die Wolkendecke rauskamen. Dafuer konnten wir nach langer Zeit wieder einmal einen Schneeball werfen, wurden von Yaks verfolgt, von Blutegeln attackiert und von unzaehligen, gelangweilten Militaers begafft. Zudem lernten wir das sikkimesische Lachen kennen, ein kleines Dorf auf 2'700m.u.M. gelegen, welches den Charme durch die vielen buddhistischen Gebetsfahnen erhaelt (Fuer alle die es noch nicht wissen, Joder verbrachte seine ersten 22 Lebensjahre im schwyzerischen Lachen und fuehlte sich daher zu dieser Ortschaft besonders hingezogen).

Gerade rechtzeitig zu Buddha's Geburtstagsfeier kamen wir nach Gangtok zurueck. Neben vielen Gebeten wurde der Geburtstag mit einer Prozession zelebriert. Speziell waren die altertuemlichen, buddhistischen Instrumente, welche der Feier einen besonderen Touch verleihten. Gabi wurde an der Feier fast K.o. geschlagen, weil ihr unzaehlige Gebetsbuecher zum Teil ziemlich unzimperlich auf die Stirn gelegt wurden. Ob Gabi's Karma dadurch besser wird, konnte bis jetzt noch eruiert werden. Ein Versuch war es jedoch wert!

Am 24.05.05 sind wir von den hohen Bergen in Sikkim zum Ganges weiter gezogen. Besser gesagt nach Varanasi, dem Mekka der Hindus. Naja, angenehm war das

Das "reinigende" Bad im GangesAnkommen nicht gerade, da sich die  Tempera-turen in Varanasi um 47Grad bewegten, der Ganges und die Altstadt-gassen wegen den Kuehen, Hunden und vor allem von menschlichen Ausscheidungsprodukten fuerchterlich stanken und die Abfallberge in den engen Gassen ein Durchkommen manchmal fast verun-moeglichten. Obwohl auch sonst ein ziemliches Chaos herrschte und wir immer und ueberall von Strassenhaendlern angesprochen wurden und somit keine ruhige Minute hatten, empfanden wir diese Stadt trotzdem als genial! In unzaehligen Tempeln und am Ganges wurde gebetet und meditiert und sehr kurlig gekleideten Pilger waschten sich bei den Ghats von den Suenden rein. Ueberall gabs eine staendige Musikberieselung mit Tablas, Sittar und Gesaengen und es wurden farbenfrohe Heiratszeremonien abgehalten. Apropos Heiraten... natuerlich wird versucht, auch damit Bussines zu machen. So wurden wir von einem Brahmanen (hinduistischer Glaubeslehrer und Priester) angesprochen und er vollfuehrte dann umgehend irgendwelche eindrucklichen Rituale, ohne dass wir wussten, was da ablaeuft.

Wahre Liebe?!?Als wir ihn aufforderten, uns zu sagen, was er da nun vollfuehre, teilte er uns mit, dass das nun ein Teil eines hinduistischen Hochzeitrituals sei. Als er dann fuer die Weiterfuehrung der ganzen Hochzeitszeremonie dann noch schaurig viel Geld wollte, entschieden wir uns - schweren Herzens natuerlich - uns wieder scheiden zu lassen, obwohl uns gar nicht klar ist, ob das in Indien ueberhaupt geht? Ein beklemmendes Gefuehl ueberkam uns, als wir den Verbrennungsritualen am heiligen Fluss Indiens zuschauten. Hindus glauben, dass sie durch ihre Verbrennung in Varanasi - und nur dort - die Moeglichkeit erhalten, vom Kreislauf

Oh wie schoen sind Haare an den Ohren!der Wiedergeburt erloest zu werden. Schockierend fuer uns war, dass Menschen, die eines unnatuerlichen Todes starben, wie z.B. mit einer schweren Krankheit (Lepra oder Pocken), schwangere Frauen und Personen, welche das Geld nicht haben, um sich das Holz zu kaufen, nicht verbrannt werden, sondern mit einem Stein um die Hueften in den Ganges gelegt werden. Gleich nebenan wird gebadet, die Kleider "gereinigt" und natuerlich das heilige Gangeswasser auch getrunken, was fuer uns unverstaendlich ist. Auf die Frage bezueglich Krankheitsuebertragung wurde uns geantwortet: Our mother Ganga ist very strong and can clean everything! Fact ist leider, dass der Ganges kaum mehr atmet und der Anteil der Faekalbakterien mit 1.5 Mio. pro 100 ml. unglaublich hoch ist. Fuer sicheres Baden sollten nicht mehr als 500 Bakterien dieser Art vorhanden sein!












Um mit den Toten in Kontakt treten zu koennen, 'muessen' sich diese Saddhus zuerst die Birne vollkiffen. Gut zu wissen, dass sogar bei diesen 'holy men' nicht alles von alleine geht!


Schon heute steht fuer uns fest, dass Varanasi bei uns - auch wegen Gabi's Geburtstag - sicher einen ganz besonderen Platz in unseren Reiseerinnerungen einehmen wird.




AffenattackeWeiter gings nach Rajasthan, dem Bundesstaat der Maerchenpalaeste. Am 29. Mai 2005 bestiegen wir einmal mehr einen Nachtzug und fuhren nach Jaipur, der Pinkcity von Rajasthan. Da es in und um Jaipur viele Top-Sehenswuerdigkeiten hat, beschlossen wir, einen Tag eine Riksha inkl. Fahrer zu mieten, der uns zu Jaipurs Hoehepunkten chauffierte, was den Monkey Tempel, den Stadtpalast, das Observatorium, das Amber Fort, das Wasserschloss (Jal Mahal) und der Palast der Winde beinhaltete.

Palastgesaettigt gingen wir mit dem oeffentlichen Bus nach Pushkar. Zuviele Inder, zuviel Gepaeck, zu kleine Sitze, ein kraenkelnder Joder und schweisstreibende Hitze machten die Reise nicht zum kurzweiligsten Erlebnis. Pushkar ist idyllisch rund um einen See gebaut und strahlt mit seinen nur 15'000 Einwohner eine fuer Indien seltene Ruhe aus. Obwohl es...

Pushkar war so relaxed!wie koennte es anders sein, ein hinduistischer Pilgerort ist.

Viele Unterkuenfte und Restaurants waren wegen der low-low-low-season geschlossen, was wahrscheinlich ebenfalls viel zur ruhigen Atmosphaere beitrug. Fuer uns war es kaum vorstellbar, dass sich hier in der hight-season viel mehr Touris als Kuehe in den engen Gaesschen zwischen den weissen, orientalischen Haeusern bewegen.

Die heiligen, indischen Kuehe sind sowieso ein Kapitel fuer sich... Sie schlendern gemaechlich und in einer bewunderswerten Gelassenheit durch die hecktischen Strassen indischer Staedte. Auf staendiger Futtersuche stoebern sie in den Abfallbergen

Plastiksaecke sind koestlich!nach organischen Resten, wobei sie zwischendurch auch mal mit der Tageszeitung von letzter Woche oder eine Pet-Flasche als Magenfueller begnuegen. Man erhaelt fast das Gefuehl, dass auf den indischen Strassen
- in denen immer der staerkere Vortritt hat - nur eine "Abfall"-wiederkauende Kuh den Verkehr zum stocken bringen kann. Unsere Beobachtungen zeigten aber, dass zwar keine Kuehe umgefahren, sie ansonsten aber nicht gerade tierfreundlich behandelt werden. Ob das brutale Verhauen einer Kuh einen negativen Einfluss auf das Karma hat, wissen wir nicht. Zu hoffen ist es aber!

Am 6.6.05 bekamen wir die Nebensaison noch mehr zu spuehren. In Udaipur hatte sozusagen alles geschlossen und ueberall wurden Renovationsarbeiten vorgenommen. Das weltbekannte Lake Palace Hotel, das, - wie es der Namen schon sagt - eigentlich in der Mitte des Picholasees stehen sollte, lag auf dem Trockenen und war umringt von grasenden Kuehen, Eseln, Wasserbueffeln, Ziegen- und Schafherden, Dromedaren und sogar einem Elefanten, was besonders Gabi erfreute da die Tiere mal etwas anderes als Abfall zwischen die Zaehne bekamen.
Udaipur mit den unzaehligen, verwinkelten Gaesschen, den romatischen kreuz und quer gebauten Haeusern und den verhaeltnismaessig vielen Gruenanlagen hat uns sehr gefallen. Mit dem See waere alles aber noch ein bisschen traumhafter gewesen...!

Hallo Prinzessin!Von den staendig sehr hohen Temperaturen - wir sprechen von 40 - 48 Grad! - und dem daraus folgenden Schlaf- und Energiemangel langsam etwas gezeichnet, gings weiter nach Jodpur, der bluecity Rajasthans. Jodpur ist vor allem bekannt wegen den blauen Haeusern und dem inmitten der Stadt, auf einem 120m hohen Felsen gebauten Meherangarh Fort, einer riesigen Palastanlage mit bis bis zu 32m hohen Festungsmauern. Wir bekamen bei unserer Sightseeingtour fast den Eindruck, dass die Rajputenfuerste etwas paranoid waren, als wir die weiteren Sicherheits-vorkehrungen in der Palastanlage bestaunten. Doch ihre Investitionen hatten sich gelohnt, denn es blieb eines der einzigen Forts Rajasthans, welches nie eingenommen werden konnte.

Die Menschen (vornehmlich Maenner) in Rajasthan und besonders hier in Jodpur verhielten sich uns gegenueber nicht besonders freundlich und respektvoll. Auf den Strassen konnten wir kaum 15 Sekunden gehen, ohne mit immer denselben langweiligen Fragen und doofen Spruechen konfrontiert zu werden. Erwies sich mal jemand zu beginn als hilfsbereit und freundlich, gings schlussendlich doch immer nur ums business, was ziemlich nervte. Am schlimmsten war aber, dass mehrmals luesterne Inder gegenueber Gabi hemmungslos anzuegliche, sexistische und frauenfeindliche Bemerkungen aeusserten, was uns fast zu handgreiflichen Uebergriffen verleiten liess. Nur mit dem Einfluss des Tourismus' kann dieses Verhalten unserer Meinung nach nicht erklaert werden und es wird sich zeigen, ob Rajasthan nicht in Zukunft finanzielle Einbussen erleiden wird, wenn Touristen aus obgenannten Gruenden fern bleiben.

Ueber die Frauen und den Umgang mit ihnen hier in Indien koennte man ebenfalls (wie ueber die Kuehe) ein ganzes Kapitel fuellen. Man laesst sich nur allzu oft und allzu gerne von den wunderschoenen, in allen Farben schillernden Saris, die die Frauen hier tragen, blenden.  Doch der Schein truegt. Bei naeherem Hinschauen erhielten wir den Eindruck, dass fuer die Maenner Kuehe, Rikshas, Crickett und ihre Kaudroge "Betelnuss" weit mehr wert sind als Frauen. Diese werden "nur" gebraucht, um Kinder (natuerlich vorzugsweise Jungs) auf die Welt zu bringen und um von ihnen bedient zu werden. "Zaertlichkeiten" - und dies sogar oeffentlich erlaubt -koennen ja mit anderen Maennern ausgetauscht werden.
Doch das ist noch nicht alles. Maedchen und Frauen werden oftmals vom Bildungs- und Gesundheitswesen, sowie von gesellschaftlichen Anlaessen und gewissen hinduistischen Ritualen ausgeschlossen und muessen sogar befuerchten, dass sie nur wegen ihres Geschlechts umgebracht werden. Empfehlenswerte weiterfuehrende Infos hierzu sind zu finden unter
frauennews.de.

Unser letztes Rajasthanziel war die Karawanenstadt Jaisalmer - the golden city - die inmitten der Wueste Thar liegt. Noch langer Suche in der Mittagshitze fanden wir in einem Guesthouse im Fort ein Turmzimmer, wo wir von unserem Rapunzelbalkon eine wunderschoene Aussicht ueber ganz Jaisalmer geniessen konnten. Am ersten Abend zog ein unheimlicher Sturm ueber der Stadt auf und brachte den ersten Regen des Jahres. Innert Minuten wurde die Stadt von dem aufgewirbelten Sandstaub in ein gelbes Licht getaucht, bevor es ganz dunkel wurde. Ein beaengstigendes, jedoch auch sehr mystisches Naturschauspiel!
Eigentlich hatten wir erwartet, dass die Inder voller Freude ueber den Regen feiern wuerden, doch die grosse Euphorie blieb aus, was uns etwas verwirrte (doch Indien und seine Leute sind halt anders...). Uns hats aber gefreut, da wir seit langem wieder einmal eine kuehlere Nacht hatten.

Trotz Turban, im Schatten ist am angenehmsten!Wir reisten in rasendem Tempo durch Rajasthan. Immer auf der Flucht von der Hitze und in Vorfreude auf den kuehleren Norden. Komische Vorstellung, wenn man bedenkt, dass es normalerweise umgekehrt ist!

Als wir mit dem Zug aus Jaisalmer in Delhi ankamen, besorgten wir uns umgehend Flugtickets nach Leh, Ladakh, und bereits zwei Tage spaeter flogen wir in den Himalaya. Das Panorama auf die schneebe-deckten Riesen von Zanskar und Ladakh war einmalig, doch gleichzeitig stellten wir uns immer haeufiger die Frage, wo um Himmels Willen der Pilot hier landen soll. Gelandet sind wir - nachdem der Flieger bedenklich nahe um die Bergspitzen kurvte - ziemlich sanft.

Der Puls ging jedoch merklich hoeher und die weichen Knie wollten sich auch nach der Landung nicht beruhigen. Die Hoehe von 3500m.ue.M. machte unserem Koerper zu schaffen. Die ersten paar Tage in Leh liessen wir es deshalb gemuetlich angehen. Etwas anderes waere auch nicht drinn gelegen, weil wir - trotz 5-monatigem Rauch-stopp - bei der kleinsten Steigung wie eine indische Dampflokomotive keuchten und mit Uebelkeit, Kopfschmerzen und Schwindel zu kaempfen hatten. Wir schliefen viel, genossen die -

Mei, mei Joder. Ohni z'frage einfach fotographiere!fuer indische Verhaeltnisse - unglaubliche Ruhe und stiessen mit Freunden auf das unerwartete Wiedersehen an. Natuerlich erkundeten wir auch Leh, das sich sehr von jeder anderen indischen Stadt unterscheidet. Buddhistische und tibetische Einfluesse praegen das Bild der Stadt. Ueberall werden oekologische Produkte verkauft und es wird viel Wert auf die Erhaltung der Natur und der kulturellen Identitaet gelegt. Vieles worueber sich die meisten "Flachland-inder" noch nie Gedanken gemacht haben.

Die Tage des "Nichtstuns" vergingen wie im Flug und irgendwann ueberkam uns das schlechte Gewissen, in dieser wunderschoenen, jedoch sehr kargen Landschaft mit einer Vielzahl an sehr bedeutenden, uralten buddhistischen Kloestern die Zeit nur zu verhaengen. Als Gabi im Lonely Planet las, dass es im benachbarten Nubra-Valley auf ueber 3000m.ue.M. richtige Sandduenen hat, Kamelausritte moeglich sind und die legendaere Seidenstrasse durch das Tal gefuehrt hatte, war das Reiseziel schnell gefasst.

Doch auch Joder kam auf seine Rechnung, da der Weg ins Nubra-Valley ueber den hoechsten, befahrbaren Pass der Welt fuehrt. Die Fahrt auf den 5602m hohen Khardung La war dann aber eine kleinere Enttaeuschung, da die Hoehenmesser zweier verschiedener Uhren "nur" ca. 5300m anzeigten. Ist dieser Pass also nur ein Werbegag??? Ist ja egal! Die Aussicht war atemberaubend und wir waren definitiv auf dem Hoehepunkt unserer Weltreise angelangt.

Kamel-Trek Crew beim obligaten Photoshooting in DisketDas Nubra-Valley enttaeuschte uns dann nicht. Riesige Berge saeumen das Tal, welches durch die vielen Zufluesse sehr fruchtbar ist. Abgesehen von den gruenen Flecken sind weite Gebiete jedoch versandet und wir bekamen echte Hoch-gebirgssandduenen zu sehen. Groessere Doerfer gibt es im Nubra-Valley kaum. Vielmehr hat es weitverstreute, verschla-fene Weiler mit ausschliesslich traditionellen Ladakhi-Haeusern. Blickfang eines jeden Dorfes ist immer ein uraltes, buddhistisches Kloster, welches jeweils auf einem Felsvorsprung ueber den Haeusern thront.

Da Gabi wie wild aufs Kamelreiten war - die mit zwei Hoeckern! - gings mit einer anderen Schwei-zerin, einer Tschechin und einem oesterreichischen Paar gleich am naechsten Tag los. Gabi hatte sich den Ausritt jedoch etwas anders vorgestellt. Ihr Kamel hatte - aus unerklaerlichen Gruenden - an ihren ausgewiesenen Reitkuensten keine Freunde und spielte mit Gabi Rodeo. Gewonnen hat diesen Machtkampf schliesslich Gabi, welche wie ein texanisches Cowgirl elegant die Oberhand behielt und oben blieb (wenn auch ziemlich tief auf der Seite haengend...). Da der Kameltrek nur oneway war und wir bei der anschliessenden Besichtigung des beruehmten Disket-Klosters die Zeit voellig aus den Augen verloren hatten, versuchten wir per Anhalter in unser Guesthouse zurueck zu kommen. Angehalten hat dann schliesslich ein Militaerlaster mit 20 Jungs auf der Ladeflaeche, welche wahrscheinlich seit Wochen keine Frau mehr zu

Pausen um andere Personen zu begaffen sind in Indien aeusserst populaer!Gesicht bekommen hatten. Hanna, die Tsche-chin, hatte ein Einsehen mit ihnen und bot, nach Manier eines russischen James Bond-Girls einen Flirt mit zwei Soldaten, was diese zwei prueden Maenner (Inder sind eigentlich immer pruede!) erheblich verwirrte, bei ihren Kumpanen aber ein herzhaftes Gelaechter ausloeste. Doch dann hatte auch Gabi noch einmal einen - eher unge-wollten - Auftritt! Da der Truck ziemlich schnell durch ein Bachbett fuhr, hob Gabi als einzige ab und landete spektakulaer in unzaehligen, noch so hilfsbereiten, Militariarmen. Natuerlich war das Gelaechter wiederum gross und die Soldaten werden sich wahrscheinlich noch lange an die Fahrt mit der aufreizenden Hanna und der fliegen-den Gabi erinnern.

Zurueck in Leh, entschlossen wir uns, unsere
Muskeln nach 10-monatiger Sportpause endlich mal einer Belastungsprobe auszusetzen

und buchten einen 8-Tagestrek ins Markha-Valley. Alles wenn und aber wurde verdraengt und so starteten wir am 1. Juli 05 unser grosses Abenteuer. Begleitet wurden wir von 4 Ponys, die unser Gepaeck schleppten, einem Guide, einem Koch und einer Schweizer Touristin.

Ein unvergessliches Erlebnis wurde es, doch anders, als wir es uns vorgestellt hatten. Obwohl wir dem Himmel sehr nah waren, war es zwischendurch hoellisch anstrengend. Bei den Besteigungen der 5000er-Paesse fuehlten wir uns wie beim Aufstieg zum Mt. Everest (und zwar kurz vor der Todeszone!). Waehrend unser Guide den Berg rauf rannte und die Tagesetappe in einer Rekordzeit durchziehen wollte, blieb uns wortwoertlich die Puste weg. Auch die reissen-den, zum Teil huefttief zu durchquerenden Gletscherfluesse machten nur so lange  Spass, als das Wetter gut war. Am 4. Tag

Wo ist das schoene Panorama??? Wir sind hier schliesslich auf  5150m.ue.M.!kam voellig ueberraschend ein Wettereinbruch und brachte Schnee, Regen und Nebel. Da das Gepaeck und die Schlafsaecke durchnaesst waren und die Naechte bei Schneefall auch nicht gerade als heimelig bezeichnet werden konnten, gaben wir gas und beendeten den Trek in 7 Tagen.

Naja, immerhin war das Essen her-vorragend und alle kamen unversehrt zurueck!

"Zu hause" in Leh genossen wir den Luxus von einem (harten) Bett und taeglich einem Kuebel heissem Wasser. Da sich die Zeit in Indien langsam aber sicher dem Ende zuneigte, wollten wir so schnell wie moeglich die Weiterreise nach Delhi, mit einem

My live is my message! Mahatma GandhiZwischenstopp bei Dalai Lama in Dharamsala, planen. Es erwies sich jedoch als schwierigeres Unterfangen, da alle Strassen durch den Hima-laya wegen ungewoehnlich heftigen Regenfaellen ueberschwemmt oder durch Erdrutsche unpas-sierbar waren. Da auch alle Fluege nach Delhi ausgebucht waren, sah es so aus, als wuerden wir in Leh festsitzen und moeglicherweise sogar unseren Weiterflug von Delhi nach Bangkok verpassen. Via einer Travel Agency bekamen wir auf dubiose Weise Flugtickets, wussten jedoch bis zum Einchecken nicht, ob es noch freie Plaetze im bereits lange zuvor ausgebuchten Flieger hat. Doch irgendwie ging alles rund und wir flogen am 13.7.05 nach Delhi zurueck, wo wir Diverses erledigen mussten, aber auch Zeit fanden fuer Sightseeing. U.a. besuchten wir die Verbrennungsstaette und das Memorialmuseum von Mahatma Gandhi und liefen durch das pompoese Regierungsviertel.

Als "Zueckerchen" bis zum Schluss aufgespart, besuch-ten wir am Tag vor unserer Weiterreise nach Thailand den Taj Mahal in Agra. Der Liebestraum in Marmor wurde seinem Ruf mehr als gerecht. Doch der Monsun wollte einfach nicht zulas-sen, dass wir den Palast mit blauem Hintergrund fotogra-fieren konnten... Doch ein unvergesslicher Anblick war es trotzdem!

Ansonsten bot Agra ueber-haupt nichts. Im Gegenteil! Wir erlebten wieder einmal die negativen Seiten Indiens und wurden mit Steinen beworfen, betatscht und mit den unmoeglichsten Fragen belaestigt. Da wir die Stadt zudem als aeusserst schmutzig wahrnahmen und das Elend an jeder Ecke sichtbar war, waren wir ziemlich froh, aus dieser, trotz einmaliger Kunst, deprimierenden Stadt rauszukommen und nach Delhi zurueck fahren zu koennen. In Delhi hiess es dann Packen und die Homepage updaten, bevor wir uns leichten Herzens von Indien verabschie-deten.


Und zum Schluss noch dies...

Wir haben Indien geliebt und gleichzeitig auch gehasst. Vieles war einzigartig und hat uns in den Bann gezogen. Doch gewisse Dinge, d.h., dass z.B. Geier, Hunde und Kuehe trotz Spitzenmedizin eine groessere Ueberlebenschance haben als viele Kinder, dass Maed-chen sowieso weniger Wert sind als jedes Tier, dass das Kastensystem weiterhin sehr  stark in der Gesellschaft verankert ist und dass mehr Geld in die Entwicklung von Atom-bomben investiert wird als fuer die Bekaempfung der unbeschreiblichen Armut, hat uns zu tiefst schockiert!  Als AuslaenderIn Indien zu verstehen, ist ein hoffnungsloses Unterfan-gen. Auf unserer 4-monatigen Reise sind wir dem auch nicht naeher gekommen. Im Ge-genteil! Wir haben mehr Fragen als je zuvor...

Also liebes Indien! Wir hoffen, dass Du Deine Einzigartigkeit beibehaeltst. Von einer zukuenftigen Weltmacht erwarten wir aber, dass Toleranz, Naechstenliebe, Weltoffenheit und der nachhaltige Umgang mit der Natur keine Fremdwoerter mehr sind!

Thank you, namaste, julley and by

G & J


                                                      - THE END -

                                                     - PART TWO -





 
 
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